Glanz, Gier und große Träume: F. Scott Fitzgeralds Klassiker als zeitloses Spiegelbild unserer Sehnsüchte.
Irgendwann zu Beginn der 1920er Jahre, irgendwo auf Long Island im Dunstkreis von New York: Der junge Nick Carraway verlässt den amerikanischen Westen und zieht in den Osten, um sein Glück an der Börse zu versuchen. Geprägt vom Ersten Weltkrieg und auf der Suche nach Orientierung gerät er jedoch schneller in die Verstrickungen seiner neuen Umgebung, als ihm lieb ist.
Nick findet sich wieder in einer Welt aus rauschenden Partys, Alkohol und blendendem Schein. Seine Cousine Daisy lebt dort mit ihrem Mann Tom Buchanan, einem wohlhabenden Polospieler, dessen Leben von Affären, Macht und Rücksichtslosigkeit bestimmt ist. In ihrem Umfeld bewegen sich Menschen, die zwischen Ekstase und innerer Leere schwanken – darunter Myrtle Wilson, Toms Geliebte, und die ehrgeizige Golfspielerin Jordan Baker.
Besondere Faszination üben die legendären Feste im Nachbaranwesen aus: Gastgeber ist der geheimnisvolle Jay Gatsby, über dessen Herkunft und Geschäfte wilde Gerüchte kursieren. Als Nick Gatsby schließlich begegnet, offenbart sich eine Vergangenheit voller Illusionen, unerfüllter Liebe und riskanter Hoffnungen. Gatsby verfolgt einen klaren Plan: die Wiederbegegnung mit Daisy, seiner großen Liebe aus früheren Tagen.
Doch der Versuch, die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen, setzt eine Kette folgenschwerer Entscheidungen in Gang. Alte Gefühle, verdrängte Wahrheiten und menschliche Abgründe prallen aufeinander – mit tragischen Konsequenzen für alle Beteiligten.
„The Great Gatsby“ erschien 1925 und gilt bis heute als einer der bedeutendsten amerikanischen Romane des 20. Jahrhunderts. Er zeichnet das Lebensgefühl einer Generation, die nach Krieg, Verlust und Orientierungslosigkeit zwischen Aufbruch und Selbsttäuschung schwankt. Genau diese Ambivalenz macht den Stoff auch hundert Jahre später hochaktuell.
Für das Theater Curiosum war die Inszenierung zugleich ein besonderer Neubeginn: Nach einer langen Phase der Sanierung kehrte das Ensemble zurück auf die Bühne des LincolnTheaters. Äußerlich hat sich vieles verändert – doch die Lust am Spiel, am Erzählen und am gemeinsamen Theatermachen ist ungebrochen. Unsere Inszenierung stellt Fragen, die weit über die „Goldenen Zwanziger“ hinausreichen: Was bedeutet Erfolg? Was ist Freundschaft wert? Wo endet Verantwortung, wo beginnt Selbstbetrug? Gatsby und seine Umgebung leben in einer Welt des schönen Scheins, in der Aufrichtigkeit und Verlogenheit dicht beieinanderliegen.
Wir laden das Publikum ein, hinter die glitzernde Fassade zu blicken und darüber nachzudenken, was uns heute wirklich wichtig ist – welche Träume wir verfolgen, welche Werte wir bewahren und welche Illusionen wir vielleicht loslassen sollten.